Historisches über Portugal und die Algarve

Die Wurzeln der Zivilisation im südlichen Portugal reichen bis in prähistorische Zeiten zurück. Die Menschen, die in der Frühzeit hier lebten, gingen auf die Jagd, fingen Fische, sammelten Muscheln und wilde Früchte, Nüsse und Beeren. Ihre Werkzeuge fertigten sie aus Stein und Knochen. Während des Neolithikums hatte die Bevölkerung bereits weiter entwickelte Fähigkeiten. Sie waren westwärts gewandert, an den Küsten des Mittelmeeres entlang. Die Bewohner bauten Häuser, machten den Boden urbar, hielten Haus und Nutztiere, stellten Tongefäße her und bearbeiteten Kupfer.

Im 7. und 6. Jh. vor unserer Zeitrechnung wurden die Iberer „unterwandert” und von keltischen Völkern beherrscht, die von jenseits der Pyrenäen gekommen waren. Etwa zur selben Zeit kamen vom anderen Ende des Mittelmeeres die Phönizier. Sie gründeten Handelsniederlassungen an den andalusischen und algarvischen Küsten. Ihnen folgten im 6. Jh. v. Chr. griechische Kaufleute, ihnen wiederum folgten nur wenige Jahrzehnte später die Karthager.

Auch wenn zahlreiche Bevölkerungsgruppen kamen und gingen, hinterließen sie nur wenige Beweise ihrer Kultur. Dies kann man von der nächsten Einwanderungswelle, die aus dem Osten heranrollte, nicht sagen: Im frühen zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung rückten römische Legionen auf der Iberischen Halbinsel vor. Wer sich ihnen entgegenstellte, wurde niedergemacht. Die Lusitaner, die damals in Zentralportugal lebten, waren die wohl gefährlichsten Gegner der Römer und setzten sich an den Grenzen ihres Landes lange und verzweifelt zur Wehr. Schließlich, nach dem Tod des bedeutendsten lusitanischen Heerführers, Viriathus, dem „Hannibal der Iberer”, begann im Jahr 137 v. Chr. die Romanisierung Zentralportugals.

Bis zur Invasion der germanischen Völker im 5. Jh. n. Chr. war der Einfluss der Römer auf Geschichte und Kultur des Landes in ganz Portugal groß. Die Römer bauten Städte und verbanden diese durch Straßen. So führte z.B. eine der Straßen von Ossonoba (Faro) nach Olissipo (Lissabon). Überreste römischer Gebäude und Kunstwerke sind bis heute erhalten geblieben.

Während es von den Westgoten und anderen so genannten „barbarischen“ Invasoren kaum Zeugnisse ihres Aufenthaltes im Süden Portugals gibt, sind die Spuren der Mauren, die sie schließlich verdrängten, umso präsenter. Die Mauren – muslimische Araber und Berber aus Nordafrika – kamen im 8. Jh. an die Algarve und eroberten schnell ganz Portugal. Doch an der Algarve überdauerte ihre Herrschaft am längsten – mehr als 500 Jahre – hier war ihr kultureller Einfluss am größten. Auch der Name „Algarve“ leitet sich vom arabischen „Al Gharb“ ab, was „Land im Westen“ bedeutet.

Im 12. Jh. löste sich das Land vom benachbarten spanischen Königreich León – Portugal wurde ein unabhängiger Staat. Dies geschah zur Zeit der christlichen „Reconquista“, die Rückeroberung der Iberischen Halbinsel erfolgte mithilfe von Kreuzrittern aus dem europäischen Norden. Letztendlich wurden die Mauren von ihren Stützpunkten an der Algarve 1253 von Alfonso III. vertrieben. Er wurde zum „König von Portugal und der Algarve“ ernannt, eine Bezeichnung, die die eigenständige Identität der Algarvios widerspiegelt. Diese Auffassung hat sich – wenn auch in etwas gemäßigter Form – bis heute erhalten. König Dionysos von Portugal, auch Dom Dinis genannt, legte 1297 mit Kastilien endgültig die portugiesischen Grenzen fest. Damit war Portugal souverän und die Algarve portugiesische Provinz.

Viele heute als historisch wichtig geltende Entdeckungsreisen des späten 15. Jh. hatten im Westen der Algarve ihren Ausgangspunkt. Und viele Algarvios waren als Seeleute dabei, als die neuen Länder entdeckt und erobert wurden. Kaufleute und Kolonisatoren folgten ihnen auf dem Fuß.

Im 16. Jh. war Portugal zu einer Supermacht geworden, die in keinem Verhältnis zu der minimalen Ausdehnung des Mutterlandes stand. Diese Zeit war Portugals „Goldene Ära“, in der auch die Algarve eine wichtige Rolle spielte.

Im dritten Viertel des 16. Jh. wendete sich das Blatt und wieder spielte die Algarve dabei eine Rolle: König Sebastião, der die Algarve ganz besonders liebte, war wohl persönlich für den Niedergang Portugals als Großmacht verantwortlich. Größe, Eigenständigkeit, Weltmachtstellung und der Reichtum Portugals – das alles kam 1578 zu einem raschen Ende:

Im Alter von 24 Jahren segelte Sebastião von der Algarve aus mit mehr als 23.000 Mann nach Afrika. Beim Kampf gegen die Saaditen wurden in der Schlacht von Alcacer-Quibir der König und 8.000 seiner Gefolgsleute getötet. Der Rest der hoffnungslos unterlegenen Truppe wurde gefangengenommen. Sebastiãos Tod bedeutete, dass die portugiesische Krone an seinen Großonkel Henrique fiel, einen Kardinal und darüber hinaus ein unverheirateter alter Mann.

Nach dessen Tod meldeten die Spanier ihre Rechte an. Es war Philip II. von Spanien, der 1580 seinen Anspruch auf den vakanten portugiesischen Thron mit einer Invasion des Nachbarlandes untermauerte. Als Philip I. riefen die Cortes (Ständeversammlungen) ihn zum König Portugals aus. Für die Portugiesen aber begann eine Periode der Demütigung: 60 Jahre litten sie unter der spanischen Fremdherrschaft und wurden so in die spanischen Kriege gegen England, Holland und Frankreich hineingezogen.

Nach einer erfolgreichen portugiesischen Revolte gegen Spanien wurde 1640 ihr Anführer, der Herzog von Bragança, zum König gekrönt. Er sicherte die erneute Unabhängigkeit des Landes und es gelang ihm, auch einige der früheren Besitzungen zurückzugewinnen, Brasilien eingeschlossen.

Im 18. Jh. begann wieder eine glänzende Epoche der portugiesischen Geschichte. Die in Brasilien geschürften Diamanten und der Abbau riesiger Goldmengen erlaubten den Portugiesen einen aufwendigen Lebensstil. Kunst, Literatur und Wissenschaft wurden gepflegt, die Landwirtschaft und die heimische Industrie in ihrer Entwicklung gefördert und überall entstanden prächtige Bauten.

Im Jahre 1755 wurden an der Algarve (und auch in anderen Teilen Portugals) viele dieser Bauten bei einem großen Erdbeben zerstört oder zumindest stark beschädigt. Auch Lissabon wurde von dem Beben verwüstet. Das schlimmste Beben in Europa seit Menschengedenken soll 60.000 Portugiesen das Leben gekostet haben.

Ein halbes Jahrhundert später wurde das Land durch die französische Invasion während der napoleonischen Kriege erneut verwüstet. Die Franzosen, die 1807 ganz Portugal besetzt hielten, wurden 1811 von britischen Truppen unter General Arthur Wellesley, dem späteren Herzog Wellington, vertrieben.

Der französischen Revolution folgte von 1832 bis 1834 eine Revolution in Portugal – eine problematische Zeit, die allerdings lediglich ein Vorspiel war für weitere 100 Jahre politischer, sozialer und ökonomischer Umwälzung. Nachdem im Jahre 1908 der portugiesische König und sein Thronfolger Ludwig Philipp bei einem Attentat ums Leben gekommen waren, wurde am 5. Oktober 1910 die Republik ausgerufen. Aber auch das war kein Heilmittel für das marode Land. Im Gegenteil: Zwischen 1910 und 1926 gab es durchschnittlich einen Staatsstreich pro Jahr und drei Regierungswechsel. 1926 kam es dann schließlich zum Militärputsch.

Vor diesem chaotischen Hintergrund wurde António de Oliveira Salazar, ein Juraprofessor, im Jahre 1928 von der Militärdiktatur gebeten, den Posten des Finanzministers der Regierung zu übernehmen. Diesen Posten füllte er offensichtlich so überzeugend aus, dass er 1952 zum Premierminister befördert wurde. Von da an bis zu seinem Tod 1968 war Salazar die dominante Figur in einem extrem rechten, autoritär organisierten Ein-Parteien-Staat.

In der Zwischenzeit hatte Portugal an der Seite der Alliierten im Ersten Weltkrieg gekämpft. Die Regierenden des Landes hatten General Franco zwar während des spanischen Bürgerkrieges unterstützt, das Land war aber offiziell neutral geblieben. Das galt auch für den Zweiten Weltkrieg. Die Portugiesen erlaubten aber dennoch den Briten, Militäreinrichtungen auf den Azoren zu nutzen. Lissabon war einer der Fluchtpunkte deutscher Emigranten während der Nazizeit. Auf der anderen Seite halfen die Portugiesen dem deutschen Militär nach Kräften im eigenen Land.

In den 1960er Jahren wurde Portugal zunehmend in Kriege verwickelt. Es waren Kriege, in denen sich die Völker Portugals in den afrikanischen Besitzungen Guinea-Bissau, Angola und Mozambique von der Kolonialherrschaft zu befreien suchten. Diese Guerrilha-Kriege dauerten 13 Jahre lang und wurden schließlich durch einen Militärputsch im Mutterland beendet: Am 25. April 1974 fand dieses wohl wichtigste historische Ereignis der jüngeren portugiesischen Geschichte statt. Einheiten der Armee und der Miliz besetzten die wichtigsten Gebäude im Zentrum von Lissabon und stürzten die Regierung von Salazars Nachfolger Marcelo Caetano. Der Staatsstreich wurde von jungen Offizieren, zumeist Hauptleuten der Armee, befehligt. Sie wollten die Diktatur, die sinnlosen Kriege in Afrika und den portugiesischen Kolonialismus unverzüglich beenden. Auf ihrem Programm stand die Errichtung einer parlamentarischen Demokratie mit Rede- und Pressefreiheit, mit Streik- und Versammlungsrecht und all den anderen Errungenschaften westlicher Demokratien. Es war ein populärer, vom Volk getragener, unblutiger Staatsstreich, der den Beinamen „Revolution der Nelken“ bekam. Dieses Symbol, die roten Nelken in den Gewehrläufen, wurde in der ganzen Welt beachtet. Der Übergang von nahezu einem halben Jahrhundert totalitärer, rechtsradikaler Diktatur hin zu einer stabilen Demokratie war für Portugal eine sehr turbulente Zeit.

Zwei gemäßigte Parteien, die Mitte-Links-Sozialisten und die Mitte-Rechts-Sozialdemokraten, stellten sich als die stärksten Parteien in Portugal heraus. Es wurde eine gewisse Stabilität erreicht, welche die Menschen lange vermisst hatten.

Der Hahn von Barcelos – eine Besonderheit Portugals
Als Reiseandenken beliebt und fast überall im Lande erhältlich sind die auffallend bunt bemalten Hähne, die man in allen Größen und Ausführungen finden kann. In aufrechter Haltung wirken die „Hähne mit Herz“ allesamt gutmütig und signalisieren keinerlei Kampfeslust, wie dies etwa bei südamerikanischen Hähnen der Fall wäre.

Kaum vermutet man, dass sich mit diesen „Galos“ eine historische Begebenheit verbindet, um die sich Geschichten ranken, deren Kern immer derselbe ist. Die Spuren führen in das Barcelos (im Norden Portugals) des 14. Jh., wo mit einem Pilger alles seinen Anfang nahm: Er befand sich auf dem Weg ins spanische Santiago de Compostela, dem Mekka gläubiger Christen auf der Iberischen Halbinsel. In Barcelos jedoch standen für ihn die Sterne ungünstig. Als der Fromme seine Wallfahrt fortsetzen wollte, hielt man ihn fest, weil man ihn des Diebstahls beschuldigte.

Da er seine Unschuld nicht beweisen konnte, verurteilte ihn das Gericht zum Tode am Galgen. Er aber legte Widerspruch ein. Noch einmal wurde er dem Richter vorgeführt, der sich gerade ein Brathähnchen schmecken lassen wollte.

In seiner Verzweiflung wandte sich der Pilger als letzte Hoffnung an den Heiligen Jakobus von Santiago und bat diesen von Herzen, zum Beweis seiner Unschuld den gegrillten Hahn auf dem Teller des Richters wieder lebendig werden zu lassen.

Und wie sollte es auch anders sein: Seine Bitte wurde erhört. Zum Dank ließ der nun wieder auf freien Fuß gesetzte Pilger ein Wegekreuz errichten (Padrão do Senhor do Galo), das heute im Keramikmuseum von Barcelos neben einer stattlichen Sammlung von Hähnen zu sehen ist.

Auch wenn Sie eventuell die Historie anzweifeln, ein hübsches Andenken an Ihren Urlaub ist so ein „Hahn von Barcelos“ allemal.